Naturpark Münden: Durch Wald und Weidelandschaft
Der Rundwanderweg führt rund um den Steinbruch am Hohen Hagen, biegt aber auf etwa der Hälfte der Strecke am Rande des Hengelsberges gen Norden ab. Folgt man der Teerstraße gen Norden, tritt man schon bald hinaus in die offene Weidelandsachaft. Hinter dem Campingplatz führt der Weg kurze Zeit später in den Wald. Der Weg mündet nach gemächlichem Anstieg am Giesekestein und führt ab dort zurück zum Gaußturm. Sie startet am Fuße des Gaußturmes und führt erst gen Süden, dann gen Westen durch das einstige Abbaugebiet. Bis 1971 wurde auf dem Hohen Hagen - übrigens einst einer der nördlichsten Vulkane Deutschlands - Basaltgestein abgebaut: Dieses Gestein entstand vor rund 14 Millionen Jahren, als sich die afrikanische Erdplatte auf die europäische presste und sich diese Bewegungen bis ins heutige Südniedersachsen auswirkten. Die Lava der aktiven Vulkane erstarrte nach Ausbrüchen zu sechseckigen Basaltsäulen. Dieser harte und verwitterungsfeste Basalt wurde vor allem ab Anfang des 19. Jahrhunderts zum begehrten Baustoff für den Straßenbau - mit Basaltsteinen gepflasterte Straßen zeugen noch heute davon. Mit Hämmern und Hacken wurde der Stein am Hohen Hagen gebrochen und über Loren abtransportiert, später wurde sogar eine vier Kilometer lange Seilbahn zum Dransfelder Bahnhof gebaut. In der Spitze wurden 500.000 Tonnen pro Jahr gefördert. Alles in allem wurden über 3,5 Millionen Kubikmeter Basalt und Sand am Hohen Hagen abgebaut. Entlang von rekultivierten und wiederaufgeforsteten Flächen geht es hinein in den Dransfelder Stadtwald. Dieser artenreiche Kalkbuchenwald gehört als so genanntes Flora-Fauna-Habitatgebiet zum europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000. Vorbei am Denkmal Giesekestein geht es zurück ins Abbaugebiet. An der alten Steinbruchkante entlang führt der Weg; Stationen berichten über Geologie und den Basaltabbau. Über die Bildungsstätte „Haus Hoher Hagen“ führt der Weg zurück zum Parkplatz.
Stationen (8)
- 1Aussichtsturm Gaußturm
Der Gaußturm liegt im Naturpark Münden und ist mit einer Gesamthöhe von 51 Metern das Wahrzeichen der Stadt Dransfeld. Seit 1989 können Besucher in 14,5 Meter Höhe eine herrliche Aussicht und eine sehr gute bürgerliche Küche genießen. Neben dem Turm gibt es einen wunderschönen großen Waldparkplatz, einen Spielplatz im Grünen und ausgezeichnete Wanderwege zum Spazierengehen. Im Winter kann nach Herzenslust gerodelt werden. Zwei Rodelbahnen laden zu rasanten Abfahrten ein.
↓ 6 Min. zu Fuß (386 m) bis zur nächsten Station
- 2Rundwanderweg D1 und D2
Beginnt man die Wanderung vom Hohen-Hagen, begrüßt der Gaußturm die Gäste.
↓ 15 Min. zu Fuß (1 km) bis zur nächsten Station
- 3Geologie- und Bergbaupfad
Auskünfte zu Führungen erteilt die Stadt Dransfeld
↓ 10 Min. zu Fuß (773 m) bis zur nächsten Station
- 4Basaltsteinbruch am Hohen Hagen
Am Hohen Hagen (507 m über NN) sind in einem ehemaligen Steinbruch Basalte mit schönen Basaltsäulen und tertiäre Quarzsande zu sehen. In den Basaltsäulen sind Olivin-Kristalle zu erkennen. Vereinzelt treten Olivin-Knollen im Basalt auf. Am Südende des Steinbruchs sind helle bis leicht gefärbte tertiäre Quarzsande zu sehen. Das Basalt-Magma hat im Miozän (Jung-Tertiär) die in den Zeiten der Gebirgsbildungen (Alpen, Pyrenäen) und Grabenbildungen (Rheintalgraben, Leinetalgraben) entstandenen Risse und Klüfte in den überlagernden Gesteinsschichten genutzt und ist bis nahe an die damalige Erdoberfläche aufgestiegen. Dabei hat das Magma nur selten die an der Erdoberfläche lagernden tertiären Sande durchstoßen und ist oft in den wasserreichen Tertiärsedimenten steckengeblieben. Die Basaltsäulen sonderten sich senkrecht zu den Kontaktflächen Basalt/Tertiärsand ab. Auf der obersten Sohle des Steinbruchs sind nahezu horizontale Kontaktflächen Basalt/Tertiärsand aufgeschlossen. In diesem Kontaktbereich tritt im Basalt und im Tertiärsand Nontronit (Fe3+-reicher Montmorillonit) auf, der unter dem Einfluss erhitzter Porenwässer gebildet wurde. Die im Basalt auftretenden Olivin-Knollen geben Hinweise auf den Ursprungsort der basaltischen Magmen, dem oberen Erdmantel. Mineralogisch gesehen ist der Hohe-Hagen-Basalt ein Alkali-Olivinbasalt, untergeordnet treten tholeiitische Basalte auf. Der Hohe Hagen wurde schon in den 60iger Jahren als tertiärer Vulkanschlot mit aufsitzender subvulkanischer Schmelzkammer gedeutet. Die Intrusion (das eindringende Magma) hat ein im Chat-Aquitan (Oberoligozän / Alt-Tertiär) vor ca. 25 Millionen Jahren abgelagertes etwa 0,5 m mächtiges Braunkohlenflöz durchschlagen. Dieses sogenannte Brunsberg-Flöz wurde vor über 130 Jahren kurzzeitig abgebaut. Wedepohl und Ritzkowski ermittelten im Jahr 1980 anhand von K/Ar-Datierungen ein Alter von 12 bis 13 Millionen Jahren für das Basaltgestein am Hohen Hagen. Die Basalte des Hohen Hagens weisen eine magnetische Polung auf, die der heutigen entspricht. Die Basalte des Backenberges zeigen allerdings eine magnetische Polung in entgegengesetzter Richtung (Wedepohl, 1954 & Schult, 1963). Basaltabbau: Wie am Backenberg und an der Grefenburg begann auch am Hohen Hagen der Basaltabbau im 19. Jahrhundert. Zuerst wurde der Basalt zu Schottermaterial für den Straßen- und Schienenbau und zu Pflastersteinen verarbeitet. Später wurden Basaltsplitte hergestellt. Zuletzt wurde der Basalt von der Firma Siewers (Dransfeld) abgebaut. Im Jahr 1987 wurde der Basaltabbau eingestellt. Der Gaußturm: Zu Ehren des Mathematikers und Physikers Carl Friedrich Gauß (1777-1855), der viele Jahre in Göttingen lebte und lehrte, wurde auf dem Hohen Hagen der Gaußturm errichtet. Gauß, der auch mit der Vermessung des damaligen Königreichs Hannover beauftragt war, nutzte den Hohen Hagen zur Vermessung des damals größten Dreiecks nach der Methode der Triangulation mit den Eckpunkten Hoher Hagen (507 m ü. NN), Brocken (1142 m ü. NN) und Großer Inselsberg (916 m ü. NN). Der heutige Gaußturm ist bereits der zweite am Hohen Hagen. Sein Vorgänger (Alter Gaußturm) war auf Grund von Sprengungen im Steinbruch so stark beschädigt worden, dass er 1963 abgerissen werden musste. Der Geologie- und Bergbaupfad: Zurzeit entsteht am Hohen Hagen ein Geologie- und Bergbaupfad, der im Oktober 2004 fertig gestellt sein soll. Er wird aus 8 Stationen bestehen, die auf anschauliche Art und Weise die Entstehungsgeschichte des Hohen Hagen und die Zeit der Rohstoffgewinnung erläutern sollen. M i n e r a l o g i s c h e S t i c h w o r t e Q u a r z s a n d : Eigenschaften: Quarz (SiO2) Kristall / hexagonal. Dichte: 2,65. Farbe: farblos, wenn rein sonst die Farben weiß, grau, gelb, rot, blau, grün, braun, schwarz. Die verschiedenen Farben sind auf Spurenelemente, die im Kristallgitter eingebaut sind, zurückzuführen. Bildung und Vorkommen: Quarz kommt in vielen Eruptiv- und Sedimentgesteinen vor. Aufgrund seiner Härte und Schwerlöslichkeit wird er in Sanden und Geröllen angereichert. Bedeutung und Verwendung: Quarz ist nach den Feldspäten das häufigste Mineral der Erdkruste. Reine Quarzsande sind Ausgangsprodukte für die Silizium-Gewinnung (Solartechnik). Traditionell werden Quarzsande zur Glasherstellung (Quarzglas) verwendet. Da Quarzglas ultraviolette Strahlen gut durchlässt, wird es auch für Glühbirnen verwendet. Als Schmucksteine werden Quarz-Kristalle in vielfältigen Variationen angeboten. O l i v i n : Eigenschaften: Magnesium-Eisen-Silikat. Olivin ist eines der ersten Mineralien, die beim Erstarren der Schmelze in der Magmakammer auskristallisieren. Dichte: 3,27 – 4,20. Farbe: grün, gelblich, rotbraun, selten grau oder farblos. Bildung und Vorkommen: Der Hohe Hagen ist für das Vorkommen von Olivin-Kristallen in den Basalten bekannt. Alle Olivine neigen dazu, sich mit der Zeit unter atmosphärischem Einfluss zu zersetzen. Bedeutung und Verwendung: Klare Kristalle werden als Edelsteine verschliffen, magnesiumreiches Material wird zur Herstellung hochfeuerfester Steine oder zur Magnesiumgewinnung abgebaut.
↓ 28 Min. zu Fuß (2 km) bis zur nächsten Station
- 5Schutzhütte Rehbrunnen
↓ 7 Min. zu Fuß (512 m) bis zur nächsten Station
- 6Altarsteine
https://de.wikipedia.org/wiki/Altarsteine_bei_Dransfeld (https://de.wikipedia.org/wiki/Altarsteine_bei_Dransfeld)
↓ 4 Min. zu Fuß (279 m) bis zur nächsten Station
- 7Altarstein: Steinzeitlicher Werk- und Kultplatz
Ensemble großer Quarzitblöcke im Dransfelder Stadtwald am Hengelsberghang. Steinzeitlicher Werkplatz zur Herstellung von Geräten aus Quarzit, besonders in der mittleren Altsteinzeit (ca. 70.000 - 50.000 vor heute) für Faustkeile, Schaber, Messer. Auf dem größten Steinblock mehrere künstlich eingearbeitete Rundmulden (\"Schälchen\"), vermutlich während der Bronzezeit vor ca. 3.500 Jahren für kultische Rituale angelegt. Zugang über feste Forstwege.
↓ 8 Min. zu Fuß (553 m) bis zur nächsten Station
- 8Hügelgräber aus der Bronzezeit bei Dransfeld
Gruppe von ca. 8 Grabhügeln im Dransfelder Stadtwald am Südhang des Hengelsberges. Angelegt ca. 1.600 - 1.200 v. Chr. für bronzezeitliche Körpergräber. Erreichbar über feste Forstwege, rund 500 m südlich vom Altarstein.
Selbstgeführter Spaziergang — folge den Stationen in Reihenfolge, jeweils mit Link zur Lage auf der Karte.
Basisdaten: Naturpark Münden e. V., Mitscherlichstraße 5, 34346 Hann. Münden, Niedersachsen Hub (Lizenz CC BY)
