Ortsspaziergang Steinbergen
Auf diesem Ortsspaziergang erleben Sie abwechslungsreiche Kleinode und historische Bauten des ehem. Luftkurortes Steinbergen. Unser Routenvorschlag führt Sie vom Startpunkt an der Kirche St. Agnes aus vorbei am "Prinzenhof", der Arensburg mit ihren Hexenteichen sowie dem Steinbruch und Wanderpark Jahrtausendblick. Während Ihres Spaziergangs können Sie zudem spannende Geschichten an unseren Audiostationen genießen. Diese befinden sich im gesamten Ortsgebiet der Stadt Rinteln und sind auf der Karte mit den Nummern 1-45 gekennzeichnet.
Stationen (8)
- 1Forsthaus Steinbergen
Das nach der Chaussierung der Poststraße von Hameln nach Bückeburg im Jahr 1796 gebaute Fachwerkhaus diente bis in die 1960er Jahre als Forsthaus der Fürstlichen Hofkammer in Bückeburg, der bis heute die Waldgebiete nördlich Steinbergens gehören.
↓ 11 Min. zu Fuß (412 m) bis zur nächsten Station
- 2Ehem. Berghotel Steinbergen
Das am 27. April 1902 mit einem Konzert der Rintelner Stadtkapelle feierlich eröffnete Berghotel verdankte seine Entstehung dem im Jahr zuvor fertiggestellten Eisenbahnanschluss, der zahlreiche neue Gäste nach Steinbergen brachte. Seit den 60er Jahren konnte sich das Haus nur noch mühsam behaupten und musste vor einigen Jahren endgültig schließen. Legendär ist die Tanzschule im Festsaal, in der ein Großteil der Einwohner in weitem Umkreis erste, tastende Schritte über das Parkett wagte. Außerdem befindet sich ein Kiosk im Gebäude.
↓ 3 Min. zu Fuß (200 m) bis zur nächsten Station
- 3Bahnhof Steinbergen
Mit der Eröffnung der Rinteln-Stadthagener Eisenbahn im Jahr 1901 erfuhr Steinbergen als Erholungsort einen gewaltigen Aufschwung. 1904, wenige Jahre nach seiner Eröffnung, war der Bahnhof Schauplatz eines spektakulären Unglücksfalls, als sich zehn Güterwaggons unkontrolliert auf der Gefällstrecke in Richtung Rinteln in Bewegung setzten. Die Wagen rasten ungebremst in hohem Tempo die ganze Strecke hinab bis in den Bahnhof Rinteln, wo sie entgleisten und sich zu einem riesigen Haufen Schrott verkeilten. Wie durch ein Wunder kamen keine Menschen dabei zu Schaden.
1967 wurde der Personenverkehr, 2007 auch der Güterverkehr auf der Strecke eingestellt.↓ 10 Min. zu Fuß (313 m) bis zur nächsten Station
- 4Ehem. Cafe und Konditorei Krömer
1917 erwarb ein Konditor Krömer die Achenbachsche Villa am Eingang zum Arensburger Wald und baute sie zum Café mit Pensionsbetrieb um. Besonders in den 20er Jahren war das Haus eine elegante Ausflugsadresse für Kurgäste aus Bad Eilsen. Durch große Anbauten und Renovierungen erweitert diente es später als Pflegeheim.
↓ 25 Min. zu Fuß (1,3 km) bis zur nächsten Station
- 5„Prinzenhof“ Steinbergen
Der Prinzenhof mit seiner schönen Fachwerkfassade war früher Bauernhof, Pension und Gastwirtschaft zugleich. Seinen Namen hat der alte Halbmeierhof Nr. 4 von seinem früheren Eigentümer, dem schaumburg-lippischen Prinzen Hermann (1848-1918). Der jüngere Bruder des Bückeburger Fürsten Georg hatte sich der Förderung der Geflügelzucht verschrieben und auf diesem Hof einen Musterbetrieb eingerichtet. Auf die Initiative bzw. Förderung des Prinzen gehen auch die um 1880 gegründeten Geflügelzuchtvereine in Rinteln und Bückeburg zurück.
↓ 20 Min. zu Fuß (1,3 km) bis zur nächsten Station
- 6„Kurviertel“ an der Hirschkuppe
Der rasante Aufschwung Steinbergens als Luftkurort um 1900 hatte die Entstehung eines regelrechten Kurviertels mit zahlreichen komfortabel ausgestatteten Pensionen zur Folge. Besonders schöne villenartige Bauten finden sich am Südhang der Hirschkuppe. In einem dieser früheren Logierbetriebe, der Pension „Waldfrieden“, befindet sich heute der Jugendhof Hirschkuppe, ein heilpädagogisches Heim der freien Jugendhilfe.
↓ 11 Min. zu Fuß (755 m) bis zur nächsten Station
- 7Backhaus Steinbergen
Steinmeiers Hof, Bachstraße 2 und das dazugehörige Backhaus wurden von Carl Ludewig und Frau Justine Wilhelmine Steinmeier im Jahre 1857 erbaut. Nach seinen Eltern übernahmen Karl Heinrich Friedrich Wilhelm Steinmeier mit seiner Frau Minna Sophie Christine Steinmeier, geborene Prasuhn, den Hof, weil der ältere Bruder Karl nicht aus dem Krieg zurückkehrte. Die alten Stallungen und der Hof wurden am 10. April 1945 durch die amerikanische Luftwaffe bombardiert und fast vollständig zerstört. Lediglich Kellergewölbe, Leibzucht und das Backhaus blieben erhalten.
Wann das letzte Brot gebacken wurde ist leider nicht bekannt, aber Karl und Minna nutzten in den letzten Jahren das "alte Backhaus" als Hühnerstall. Nach dem Tod Karl Steinmeiers stand der Hof zum Abriss.
Im Jahr 2001 wuchs die Idee, das einzige in Steinbergen stehende Backhaus vor dem totalen Abriss zu retten und wieder aufzubauen. Der Aufbau sollte im Zuge der Dorferneuerung am neu entstehenden Dorfmittelpunkt stattfinden. Am 15 Juli 2006 feierte Steinbergen mit uns die Einweihung des Backhauses.
Das Haus hat auf dem im Rahmen der Dorferneuerung neu gestalteten Dorfplatz vor der Schule einen attraktiven Standort erhalten und steht der Gemeinschaft der Steinberger für Feste sowie den täglichen Schnack zur Verfügung.
↓ 14 Min. zu Fuß (925 m) bis zur nächsten Station
- 8St. Agnes Kirche Steinbergen
Der bemerkenswert prächtige, neugotische Bau der Steinberger Kirche erhielt seine Weihe 1889. Er ersetzte einen massigen romanischen Vorgänger aus dem 12. Jahrhundert, der neben dem heutigen Kirchenbau stand und nach dessen Fertigstellung abgebrochen wurde. Von ihm ist nur mehr der kleine Mauerrest erhalten, an dessen Seite sich noch das im 17. Jahrhundert errichtete Mausoleum der Familie Reimerdes vom Großen Neelhof befindet.
Das große Bauwerk der heutigen Steinberger Kirche diente seinerzeit nicht allein den Zwecken eines Gotteshauses. Es war auch eine unmissverständliche Demonstration des schaumburg-lippischen Selbstbewusstseins. Mit ihm konnte das Bückeburger Fürstentum – gut sichtbar von der durch Engern verlaufenden D-Zug-Strecke Berlin-Köln - den höchsten Kirchturm im Wesertal zwischen Hameln und Minden sein eigen nennen. Er misst bis zum Metallknauf an seiner Spitze 55,10 Meter und ist damit auch noch einen Meter höher, als der von St. Nikolai in Rinteln. Kein Wunder, dass die „schaumburg-lippische Renommier-Kirche“ wie sie damals genannt wurde, bei den Nachbarn nicht nur Begeisterung hervorrief. Ähnliche Kirchen entstanden in Schaumburg-Lippe damals auch in Hagenburg und Meinsen. Fürst Adolf Georg persönlich übernahm mit 6000 Goldmark immerhin rund 8% der Baukosten.
Ungeachtet dessen ist der Prachtbau im Stil der hannoverschen Architekturschule Conrad Wilhelm Hases von kulturhistorischer Bedeutung. In seinem Innern erschließt sich dem Besucher mit dem aufwändigen Kreuzrippengewölbe, dem reichverzierten Altar, der Kanzel und dem Orgelprospekt ein Eindruck von der handwerklichen und ästhetischen Qualität des späten Historismus. Einige wenige Relikte zeugen noch vom Vorgängerbau. Zu ihnen gehören der Taufstein aus dem 17. Jahrhundert und der an der Südseite des Chores eingebaute Grabstein des aus Brabrant stammenden Nicolaus Claissen (gestorben 1599).
Am bedeutsamsten ist der auf der nördlichen Außenseite des Gebäudes eingelassene Grabstein, der das Kreuz Christi auf dem Hügel Golgatha über einem Wappen zeigt. Er geht vermutlich auf das Edelherrengeschlecht derer von Vlotho zurück, die bis um 1200 in Engern begütert waren.
In den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges in Schaumburg, im April 1945, starb oben im Turm ein junger Leutnant, der dort einen Beobachtungsposten bezogen hatte, durch einen Artillerietreffer.
Selbstgeführter Spaziergang — folge den Stationen in Reihenfolge, jeweils mit Link zur Lage auf der Karte.
Basisdaten: Zweckverband Touristikzentrum Westliches Weserbergland, Niedersachsen Hub (Lizenz CC BY-SA)
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